„Den Industriestandort Stade ausbauen“

Bürgermeister Andreas Rieckhof bietet IG BCE-Ortsgruppe enge Zusammenarbeit an.

  Andreas Rieckhof  

Ohne Strom gehen nicht nur bei DOW, dem größten Energieverbraucher der Bundesrepublik, die Lichter aus“, so Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof am 20. Januar 2010 im Hotel „Vier Linden“ in seiner Rede auf der ersten Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Stade fast genau ein Jahr nach ihrer Gründung.

„Sichere Kraftwerkskapazitäten vor Ort sind die Existenzgrundlage für die Hansestadt und ihre Betriebe“, so Rieckhof, der nachdrücklich für das vor zwei Jahren ins Leben gerufene „stade-project 2021“ warb. In dem Projekt, das (hoffentlich) zu 75 Prozent mit Landesmitteln gefördert wird,  will Stade gemeinsam mit dem Landkreis, der IHK, der Süderelbe AG, E.ON und DOW „ein ganzheitliches Industriestandort-Management“ aufbauen, um vorhandene Arbeitsplätze zu sichern und neue aufzubauen. „Wir müssen dazu Verbündete vor Ort finden“, so Rieckhof, der die IG BCE-Mitglieder ausdrücklich zu einem Betriebsräte- und Gewerkschafts-Empfang am 30. April einlud. „Denn es sind nicht die Unternehmensleitungen von Akzo Nobel oder Hydro Aluminium gewesen, die sich für den Standort stark gemacht haben sondern die Betriebsräte“. Diese würden oft über Informationen verfügen, die selbst die örtlichen Geschäftsleitungen nicht oder nur unzureichend hätten.“
Solche Forderungen stießen bei den rund 100 Teilnehmern naturgemäß auf Zustimmung. Auch wenn die Ortsgruppe noch im Aufbau begriffen sei, hätten die zehn Vorstandsmitglieder bereits erste wichtige „gewerkschaftliche Nägel“ eingeschlagen, so der Vorsitzende Hans-Martin Bockelmann.

Rückblick 2009:

  1. bei der 1.Mai-Veranstaltung am Fischmarkt in Stade gab es ein eigenes Zelt,
  2. am 10. Juni 2009 fand in Schölisch die erste Jubläumsfeier statt,
  3. im Stadtteilhaus in Stade gibt es inzwischen monatlich einen JAV-Stammtisch,
  4. seit Februar gibt es sogar eine eigene Internetseite, die von Hiljo Ulbrich gestaltet wird und
  5. am 13. und 14. November trafen sich Mitglieder des Vorstandes mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg-Bergedorf und Lüneburg in Salzhausen (LINK) zum Erfahrungsaustausch und zur Planung gemeinsamer Projekte.

Ausblick 2010:

  1. neben der Mitorganisation des 1. Mai 2010 am Fischmarkt wird es wieder
  2. eine Jubilarfeier geben, zu der die Jubilare rechtzeitig eingeladen werden.
  3. Zusätzlich soll es ein Treffen der Senioren in der IG BCE-Ortsgruppe geben.
  4. Geplant sind auch fünf Veranstaltungen für Vertrauensleute aus den Betrieben in Stade und Buxtehude.
  5. Wir wollen den Kontakt zu den Schulen, Berufsschulen und Hochschulen in unserem Bereich aufbauen.
  6. Weiterer Schwerpunkt: Die Industriepolitik vor Ort mit den Themenfeldern Kraftwerksbau, Industrieansiedlung und Verkehrsanbindung.
  7. Beibehalten wird der Erfahrungsaustausch mit anderen Ortsgruppen, um die Synergieeffekte zu nutzen. „Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden“, so Hans-Martin Bockelmann.

 

Schmunzeln gab es beim Kassenbericht. Die erste Buchung, so Kassenwart Rolf Krüger, waren Kontoführungsgebühren für drei Euro.
IG BCE -Gerald Proß machte deutlich dass die Ortsgruppe Stade (übrigens die Ortsgruppennummer 500 der IG BCE) mit rund 2200 Mitgliedern eine der größten in der IG BCE sein dürfte. Proß: „Das ist schon eine Nummer“.
Vor 20 Jahren unterhielt die damalige IG Chemie-Papier-Keramik in Stade noch eigene Büroräume mit eigenen Sekretären, doch der enorme Mitgliederrückgang machte dem ein Ende. Ursache war ein extremer Arbeitsplatzabbau. Selbst wenn heute alle Arbeitnehmer in den zum Bereich der IG BCE gehörenden Betrieben zu 100 Prozent in der IG BCE organisiert würden, würden die mit Gewerkschaft die damalige Mitgliederzahl nicht mehr erreichen, so Proß. Die Ortsgruppen seien daher ein gutes Mittel, um auch in der Fläche vor Ort als Gewerkschaft präsent zu sein und politischen Einfluss zu nehmen.
Wichtiger Schwerpunkt 2010 für die IG BCE sind die Betriebsratswahlen im Frühjahr. Bislang sind rund 90 Prozent der Betriebsräte in der IG BEC organisiert, was dazu geführt hat, dass aufgrund der hohen Qualifikation auch die Entscheidungen über die Öffnungsklauseln in die Hände der Betriebsräte gelegt wurden. „Diese Zahl wollen wir wieder erreichen und übertreffen“, so Gerald Proß. „Die Arbeitgeber sollen wissen, dass ihnen Betriebsräte gegenüber stehen, die sich einig und gut sind.“
Anschließend zitierte er genüsslich das aktuelle „Unwort des Jahres“: „gewerkschaftsverseucht“. Proß: „Starke IG BCE-Betriebsräte sind ein  sicheres Pfand für einen sicheren Industriestandort. Lasst uns also diese Seuche gerne weitertragen und weitere Betriebe infizieren“.

 

„Unsere Region braucht starke Gewerkschaften“

aus dem Grußwort von Bürgermeister Andreas Rieckhof bei der ersten Jahrestagung der IG BCE-Ortsgruppe im Hotel „Vier Linden“ in Stade am 20. Januar 2010.

  Andreas Rieckhof  

Als Bürgermeister der Hansestadt Stade und Gewerkschaftsmitglied freue ich mich außerordentlich, dass es Ihnen bzw. Euch vor einem Jahr geglückt ist, eine Ortsgruppe der IG BCE zu gründen. Eins ist klar: Die Wirtschaft braucht starke Gewerkschaften wie auch unsere Region starke Gewerkschaften benötigt.
So zeigt uns die jüngere Vergangenheit, dass die Region mit starken gewerkschaftlichen Aktivitäten besser fährt als ohne sie. Die Buchstaben „BCE“ umfassen für Stade ganz, ganz wichtige Bereiche. Stade ist –  hoffentlich noch lange – ein starker Chemiestandort und Stade
Ist lange Jahre ein starker Energiestandort gewesen. Auch wenn es aktuell politisch unpopulär ist, sich für Energie produzierende Unternehmen am Standort einzusetzen, so bin ich der Auffassung, dass die Industrie Arbeitsplätze nur mit Kraftwerkskapazitäten vor Ort sichern kann. DOW ist der größte Einzel-Stromverbraucher Deutschlands und insbesondere bei DOW und bei AOS gehen ohne Strom die Lampen aus – die Folgen für die Beschäftigten sowohl direkt als auch indirekt würden heftig sein.
In der Öffentlichkeit ist es vielleicht noch nicht so angekommen: seit fast zwei Jahren gibt es ein partnerschaftliches Vorhaben – es heißt „stade-projekt 2021“ – bei dem wir gemeinsam mit Landkreis, der IHK, Süderelbe AG, E.ON und der DOW ein „ganzheitliches Industriestandort-Management“ aufbauen.
Mein Ziel ist es, den Industriestandort Stade zu erhalten und nach Möglichkeit auszubauen, um vorhandene Arbeitsplätze zu sichern und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dieses Projekt wird, so hoffen wir, mit 75 Prozent Landesmitteln gefördert, und soll in den nächsten Jahren einen Beitrag dazu leisten, dass Stade ein starker Industrie- und Energiestandort bleibt. Das ist eine Existenzfrage für die Betriebe und die Stadt.
Gerade in der Zeit, wo viele Einrichtungen nicht nur in der Wirtschaft, bei Kirchen, bei Unternehmen, sondern auch im gewerkschaftlichen Bereich zentralisiert werden, ist es für mich ein sehr positives Signal, dass die örtliche Ebene gestärkt wird. Als Stadt sind wir – zwangsläufig – vor Ort tätig und können seit vielen Jahren beobachten, dass unsere Ansprechpartner in der Industrie vor Ort auf der Ebene der Werksleitungen – das kann man deutlich so aussprechen – immer weniger zu sagen haben. Allein aus diesem Grund ist es schon wichtig, starke Ansprechpartner, die sich für den Standort engagieren, vor Ort zu haben. Viele von Ihnen/von Euch sind in Betriebsräten tätig und verfügen oft über Informationen, die die örtliche Geschäftsleitung nicht oder nur unzureichend haben.

Und wir müssen gucken, dass wir Verbündete vor Ort finden, sonst gehen wir in einigen Jahren einiger Dinge verlustig. Das ist meine große Sorge. Denn nicht die Unternehmensleitungen von Akzo Nobel oder von Hydro Aluminium haben sich stark gemacht für Arbeitsplätze. Es waren die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften. Ohne sie hätte es deutlich schlechter ausgesehen. Dafür nochmals vielen Dank.

Ich wünsche mir, dass die Tätigkeit der IG BCE-Ortsgruppe Stade auch in den Betrieben vor Ort anerkannt wird und auf eine enge Zusammenarbeit. Und ich würde mich freuen, Sie als IG BCE bei unserem Empfang für Betriebsräte und Gewerkschaften am 30. April begrüßen zu dürfen.Alles Gute für die heutige Mitgliederversammlung!